BUND Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland


Elbe-Lübeck-Kanal

4. Dezember: Ausbau Elbe-Lübeck-Kanal

Presseerklärung
Lasst unseren Kanal in Ruhe!
 
Der Bundestag hat am Freitag das Wasserstrassen-Ausbaugesetz zum Bundesverkehrswegeplan beschlossen, in dem als finanziell größter Posten auch der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals vorgesehen ist, dessen Bedeutung heute nicht mehr auf dem Gebiet des Güterverkehrs, sondern im Tourismus und in der Naherholung der regionalen Bevölkerung liegt. Obschon angesichts der mageren wirtschaftlichen Aussichten eine beispiellose Verschwendung von Steuergeldern droht, ist das Projekt von Norbert Brackmann (CDU, MdB) und einer begrenzten Zahl weiterer Protagonisten unter der falschen Behauptung vorangetrieben worden, es seien alle in der Region dafür. Tatsächlich befürwortet nicht einmal der Bund Deutscher Binnenschiffer den Ausbau! Die Anrainer entlang des Kanals sind zunehmend besorgt, dass der vorgesehene brachiale Ausbau des Kanals ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen ignoriert und möglicherweise insgesamt mehr Arbeitsplätze kostet, als er einbringt.

Als wären diese Gründe nicht bereits ausreichend, von dem Vorhaben Abstand zu nehmen, wird durch den Ausbau auch eine herausragende Naturlandschaft, in die der heute beschauliche Elbe-Lübeck-Kanal eingebettet ist, gefährdet. Die ehemalige Niedermoor-Niederung, der der Kanal folgt, ist eine eiszeitliche Schmelzwasserrinne, in der seltene Pflanzen und Tiere eine Heimat finden. Dementsprechend säumen wichtige Schutzgebiete den Kanal. Die Niederung wurde in der Biodiversitätsstrategie der Bundesregierung als eine Hauptverbundachse ausgewiesen, die durch die vorgesehene Begradigung des Kanals durchtrennt würde.

Hinzu kommt, dass manche technischen Einrichtungen des Elbe-Lübeck- heute einen historischen Wert als Sehenswürdigkeiten erlangt haben. Dazu gehören die ausschließlich hydraulisch betriebenen Schleusen von Witzeeze genauso wie die Seilfähre von Siebeneichen, die wohl beide dem Ausbau weichen müssten. Sie sollten - ähnlich wie es mit industriellen Denkmälern etwa im Ruhrgebiet oder in Großbritannien auch geschieht – geschützt und als Attraktionen für den Tourismus genutzt werden.

Die mangelnde Wirtschaftlichkeit des Elbe-Lübeck-Kanals, die sich auch durch den Ausbau nicht beseitigen lassen wird (Faktor 0,5 nach Ausbau!), sowie die zu erwartenden Schäden an Natur, Landschaft und Erholungswert erfordern eine Umnutzung, die schon längst im Gange ist und einem Tourismus zu Gute kommt, der sich an Natur und Landschaft orientiert und jetzt schon eine Hauptstütze der regionalen Wirtschaft ist. Es ist völlig unverständlich, wieso in Kauf genommen wird, diesen Wirtschaftszweig zu schädigen, um stattdessen eine inzwischen nicht mehr zeitgemäße Nutzung des Kanals wiederbeleben zu wollen, und zwar mit zweifelhaftem Ausgang. Das Wohlergehen eines ganzen Landstrichs wird damit wieder einmal auf Kosten der Allgemeinheit durch eine einseitige Klientelpolitik in Frage gestellt.

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Quelle: http://www.bund-herzogtum-lauenburg.de/aktuelles/kanalfragen/elbe_luebeck_kanal/