Im Kreis Herzogtum Lauenburg liegt das Atomkraftwerk Krümmel. Stellungnahmen des BUND zu Ereignissen zum AKW und zur Atompolitik des Landes finden sich je nach aktuellem Anlass in der Presse.
Atomenergie als Klimaschutzmaßnahme?
Immer wieder wird behauptet, dass die Nutzung der Atomenergie zum notwendigen Klimaschutz beitragen würde, da sie kein Kohlendioxid (CO2)emittiert. Dies ist jedoch nur auf den ersten Blick richtig. Berücksichtigt man, dass zum Betrieb eines Atomkraftwerks (AKW) auch dessen Bau und Abriss sowie Uranerz-Minen, Urananreicherungsanlagen, Atommülltransporte uvm. gehören, wird schnell klar, dass auch Atomenergie nicht CO2-frei zu haben ist. Beispielsweise hat natürliches Uranerz nur einen sehr geringen Urananteil. In Wismut, wo bis zur deutschen Wiedervereinigung Uran abgebaut wurde, wurden zuletzt Erze mit einem Urangehalt zwischen 0,05 und 0,2 Prozent abgebaut. Zudem bringt die Uranerzförderung noch eigene Probleme mit sich: Die strahlenden Hinterlassenschaften der Wismut AG legen beredtes Zeugnis davon ab. Nicht nur die Bergarbeiter waren mit hohen Strahlenlasten, radioaktivem Gesteinsstaub sowie dem radioaktiven Edelgas Radon konfrontiert, sondern auch die Bevölkerung musste und muss den relativ hohen Anteil an strahlendem Abraum, die Belastung des Grundwassers sowie die Abluft aus den Bergwerksschächten gezwungenermaßen in Kauf nehmen. Das vom Öko-Institut entwickelte Computer-Programm GEMIS hat gezeigt, dass die CO2-Emissionen von AKW etwa 25-50 Gramm pro Kilowattstunde betragen. Vergleicht man diese CO2-Bilanz mit den Alternativen Stromeinsparung, regenerative Energien und rationelle Energienutzung mit Kraft-Wärme-Kopplung, so zieht die Atomkraft eindeutig den Kürzeren.
Auch die Behauptung, dass durch Atomkraftwerke alleine in Deutschland jährlich rund 150 Millionen t CO2 vermieden werden würden, lässt sich nur mit dem Konstrukt aufrecht erhalten, wenn man alternativ die ineffizienteste und klimaunverträglichste Form der Energieerzeugung durch Verstromung von Kohle in Kohlekraftwerken ansetzen würde. Dennoch halten die Atomkraftbefürworter die nachweislich falsche Behauptung des Klimaschutzes durch Atomkraft aufrecht. So behauptete de Palacio in ihrem Grünbuch zur EU-Energiepolitik im November 2000, dass mit Hilfe der Atomenergie in der Europäischen Union bis 2010 der Ausstoß von 312 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden können – vgl. Grünbuch der Europäische Kommission: Hin zu einer europäischen Strategie für Energieversorgungssicherheit. Luxemburg 2001, 35.
Dabei muss berücksichtigt werden: Mit jeder Vervielfachung des AKW-Bestandes würde in gleichem Maße die Wahrscheinlichkeit von Atomunfällen und das Gefährdungspotential terroristischer Anschläge auf Atomanlagen steigen sowie das Entsorgungsproblem mit hochradioaktivem Atommüll potenziert. Denn sie wollen die begründete Sorge der Bevölkerung vor der drohenden Klimakatastrophe nutzen, um in der Bevölkerung mehr Akzeptanz für die atomare Technologie zu schaffen. Die vorhandenen Gefahren der Atomenergie und die ungelöste Entsorgungsfrage für den anfallenden Atommüll werden dabei verschwiegen und gegen die Angst der Bevölkerung vor der Klimaveränderung ausgespielt.
Die Nutzung der Atomenergie ist nicht nur lebensbedrohend, sondern wäre auch die teuerste Art von Klimaschutz. Der Neubau von Atomkraftwerken wäre eine wesentlich teurere Klimaschutzvariante als das Energiesparen oder moderne Gaskraftwerke. 1988 wiesen beispielsweise Umweltforscher vom Rocky Mountains Institute in Colorado erstmals darauf hin, dass nach ihren Berechnungen für dasselbe Geld mindestens zweieinhalbmal mehr Kohlendioxid durch Energiesparen vermieden werden kann, wie durch den Bau neuer Atomkraftwerke. Auch das ÖkoInstitut kam 1996 in seiner Studie zu dem Schluss, dass der Klimaschutz mit Atomkraftwerken drei- bis viermal so teuer ist, wie mit einem „Mix von Alternativen - von Stromeinsparen und Kraft-Wärme-Kopplung bis zu Biomasse und Wind“.
Auszug aus „Strahlen für den Klimaschutz?“ (BUND-Hintergrundpapier). Autoren: Walter Jungbauer, Daniel Mittler; Internet: www.bund.net.
Stand: 08. August 2002